Krankheiten - damals und heute

Gesundheit und Krankheit

Meine Kindheit und frühe Jugend war untrennbar verbunden mit den schmalen, aber lehrreichen „Was ist Was?“ – Büchern. Unter anderem den Bd. 66: „berühmte Ärzte, besiegte Krankheiten“. Ich muss gestehen, dieser spezielle Band nahm unter „urtümliche Tiere“, „Reptilien“ oder „die Wüste“ eher einen der hinteren Plätze auf meiner persönlichen Hitliste ein. Aber Menschen ändern sich bekanntlich. Und so ist das Thema Krankheiten im Allgemeinen wie im Speziellen natürlich heute für mich eines der wichtigsten.

Krankheiten – haben wir sie „besiegt“? Oder haben Sie sich nur verändert?

Die Entwicklung der Menschheitsgeschichte hat sich in den letzten 100 Jahren dramatischer beschleunigt und verändert als in den vielen 1000 Jahren zuvor. Das gilt auch für das Thema Krankheit: Hygiene, Antibiotika und Impfungen haben akuten Erkrankungen weitestgehend den Stachel gezogen. Hinter all diesen Errungenschaften der Moderne steht eine gute Idee. Hygiene bedeutet vor allen Dingen sauberes Trinkwasser sowie einen gewissen Schutz vor schlimmen Infektionen - denken wir zum Beispiel mal an die Cholera oder die Pest. Mit Antibiotika ließen sich bakterielle Infektionskrankheiten heilen, die vor ihrer Entdeckung noch bei der Mehrheit der Betroffenen zum Tode geführt hätten.

Nicht zuletzt die Idee, die hinter Impfungen steht: dem Körper abgeschwächte Erreger eines Virus zu verabreichen, um ihn sozusagen „üben“ zu lassen - quasi ins Manöver zu schicken. Oder aber ihm gleich Antikörper eines bestimmten Erregers zu verabreichen, um das spezifische Immunsystem zu „bereichern“.

All diese Dinge haben unsere Sicherheit vor akuten Infektionen und deren teilweise dramatischen Folgen erhöht.

Was passiert, wenn diese Dinge fehlen, können wir heute noch in Krisengebieten, Erdbebenregionen und besonders armen Landstrichen der Dritten Welt beobachten. Hier kommen schwere, akute Infektionskrankheiten (wieder) zum Ausbruch. So hörte man beispielsweise in Süditalien nach einem Erdbeben vor einigen Jahren von einem begrenzten Ausbruch der Cholera.

Auf der anderen Seite: wir mögen Krankheiten (quasi) besiegt haben - aber wir sind weit davon entfernt, die Krankheit an sich zu besiegen!

Krankheiten manifestieren sich heute anders!

Ein Nahrungsmittelallergiker war vor 60 Jahren noch so etwas wie eine Sensation. Heute ist es eher ungewöhnlich, wenn jemand nicht gegen irgendwelche Nahrungsmittel allergisch ist oder wenigstens eine Intoleranz hat. Vor allen Dingen aber gibt es heute Krankheiten, die unsere Vorstellungen von chronischer Krankheit sogar heute noch auf den Kopf stellen.

Wenn heute ein, sagen wir fünfundzwanzigjähriger Mann in der Gesellschaft erzählt, er sei chronisch krank, werden immer noch die meisten den Kopf schütteln. Doch mittlerweile ist dies zumindest in der westlichen Zivilisation beinahe Alltag geworden.

Die neuen chronischen Erkrankungen sind nicht mehr degenerative Erkrankungen wie beispielsweise Arthrose, Arteriosklerose oder Alzheimer. Diese Erkrankungen betreffen fast ausschließlich die Generation Ü65. Daran hat sich heute nur wenig geändert. Aber bereits degenerative Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Gicht sind heute nicht mehr auf das letzte Lebensdrittel beschränkt. Es ist heute schon nicht mehr ungewöhnlich, im „besten Alter“ Diabetes Typ 2 zu bekommen, und mittlerweile haben wir es mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit dieser degenerativen Erkrankung zu tun.

Das Zeitalter der chronisch-entzündlichen Krankheiten

Chronisch-entzündliche Erkrankungen sind auf dem Vormarsch. Vereinzelt schon in den sechziger Jahren auftretend, sind die Erkrankungszahlen bezüglich Krankheiten wie Morbus Crohn, Multiple Sklerose, Psoriasis, Lupus und andere entzündliche Rheumaerkrankungen etwa seit den achtziger Jahren rasant ansteigend. In der Medizin sind mittlerweile zahlreiche Strategien gesunder Lebensweise zur Verminderung des Risikos für chronisch-degenerative Erkrankungen bekannt. Allerdings gibt es diesbezüglich keinen vernünftigen Ansatz bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen.

Chronisch-entzündliche Krankheiten folgen keinem bekannten Muster, sie sind schwer zu ergründen und noch schwerer zu behandeln. Man kennt weder eine vernünftige Vermeidungsstrategie noch Heilungsmöglichkeiten. Medikamente können die Symptome oft zumindest eine Zeit lang unter Kontrolle kriegen. Eine wirkliche Lösung sind sie jedoch nicht. Viele junge Menschen (!) sind von einer chronisch-entzündlichen Erkrankung betroffen und leiden entsetzlich darunter. Dies wird unter anderem auch bedingt durch das Unverständnis von deren Bekannten und Verwandten.

Wir hatten einfach kaum Zeit, uns an chronische Krankheiten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu gewöhnen, da diese bis vor Kurzem noch die Ausnahme waren.

Infektionskrankheiten, chronische Krankheiten und Hygiene

Die verbesserte Hygiene der Neuzeit hat viel dazu beigetragen, akute Erkrankungen und Infektionskrankheiten einzudämmen. Die Kanalisation, regelmäßiges Hände waschen und sogar die Desinfektion haben akuten Erkrankungen den Stachel gezogen - denken wir nur einmal an Ignatz Semmelweis! Er hat seine Studenten dazu angehalten, sich nach einer Obduktion die Hände gründlich zu waschen, bevor er sie an werdende und junge Mütter herangelassen hat. Obwohl Semmelweis damals verlacht wurde, hat seine Praxis vielen Frauen das Leben gerettet.

Heute hingegen wird es mit der Hygiene oft übertrieben - oder sagen wir eher: mit der äußeren Hygiene. Stattdessen geraten die anderen Hygienevorschriften der inneren Reinigung im weiten Kreisen immer mehr in Vergessenheit. Aber es gibt Hoffnung: der neueste Ernährungstrend „Clean Eating“ zielt auf eine innere Reinigung ab: es werden nur noch möglichst wenig verarbeiteten Nahrungsmittel ohne Zusatzstoffe verzehrt.

Die traditionelle indische Naturheilkunde kennt das Panchakarma, in fast allen Gesellschaften gibt es Fastentraditionen zur inneren Reinigung. Sicher, die innere Hygiene ist ein wenig aus der Mode gekommen.

Das qualitativ beste Essen jedoch ist die Zubereitung möglichst natürlicher Nahrungsmittel mit Harmonie und Präzision. Plus: mittlerweile spricht sich herum, welch wohl tuende gesundheitsfördernde Effekte kürzere Perioden des Fastens – zwischen 16 Stunden und 2-4 Tagen – haben.

Innere Hygiene ist gar nicht so schwer. Natürlich kann sie das Auftreten chronischer Erkrankungen nicht vollkommen verhindern. Aber zumindest kann sie das Risiko deutlich absenken und die negativen Einflüsse unserer Zivilisation auf unserer Gesundheit ausgleichen.

Ulmicher
Mein Fazit

Es scheint so, als hätten wir ein Extrem mit dem anderen getauscht. Zu wenig äußere Hygiene gegen zu viel des Guten davon. Eine vollständige innere Hygiene hingegen wird vernachlässigt. Dies spiegelt sich wider in der Natur unserer Erkrankungen. Es kann nur dadurch wieder in Ordnung gebracht werden, indem wir äußerliche und innere Hygiene in Harmonie miteinander bringen.

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