Grüne Smoothies – Gesund oder gar gefährlich?

Exotische_Früchte

Seit einigen Jahren sind grüne Smoothies der Renner bei gesundheitsbewussten Menschen. Ihr Geheimnis: Sie enthalten große Mengen natürlicher Vitamine, Mineralstoffe, Enzyme und Spurenelemente. Und sie sind leicht zu konsumieren. Ihr Inhalt: rohes Obst, Beeren - des Blattgemüse bzw. Salat. Fein püriert und leicht verdaulich zubereitet. Doch seit einiger Zeit steht die „super gesunde Mini-Mahlzeit“ in der Kritik…

Grüne Smoothies: leicht zu konsumierende Vitalstoff-Mischung

Mit Rohkost im Allgemeinen ist das ja so eine Sache. Nicht jeder verträgt sie. Und: gerade Salat müsste man in großer Menge konsumieren, um ernährungsphysiologisch überhaupt von ihm zu profitieren. Eine russische Hausfrau und Mutter, die sich und ihre komplette Familie krankheitsbedingt auf Rohkost gesetzt hatte, hatte eines Tages die Idee, das „Grünzeug“ zu pürieren, um mehr davon konsumieren zu können. Der Versuch ging gründlich daneben. Das Gebräu entpuppte sich als ungenießbar. Dann kam sie auf die Idee, dem Mix einige Früchte zuzusetzen. Das neue Ergebnis schmeckte. Der grüne Smoothie war geboren!

Eindeutiger Vorteil: Menschen mit einer schwachen Verdauung, die ansonsten Rohkost nicht richtig vertragen können, profitieren von der ausgewogenen Mischung aus Grün und Obst. Tatsächlich ist es in der Praxis so, dass sogar Personen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, die Rohkost überhaupt nicht tolerieren, mit den grünen Smoothies gut zurechtkommen. Natürlich trifft auch das nicht auf alle Betroffenen zu…

Dennoch: auch am grünen Smoothie ist nicht alles Gold was glänzt

Obst und Grünzeug zu pürieren - das klingt traumhaft für viele Menschen, die es bisher mit der Ernährung nicht so genau nahmen. Doch der grüne Brei hat auch einige Nachteile - insbesondere dann, wenn man einige Grundregeln nicht beachtet.

Oxalsäure kann längerfristig zu einem Problem werden

In manchem grünen Blattgemüse - beispielsweise in Spinat - ist eine Menge Oxalsäure enthalten. Oxalsäure kann in größeren Mengen zur Bildung von Nierensteinen beitragen. Dies insbesondere dann, wenn die Darmflora nicht vollkommen intakt ist. Und wessen Darmflora ist heute noch vollkommen in Ordnung? Ein Auge auf den Oxalsäure-Gehalt der Salate, die man verwendet, zu haben, hilft also. Vor allen Dingen sollte man die verwendeten Grünpflanzen immer wieder wechseln!

Alkaloide im Grünzeug – können grüne Smoothies giftig werden?

 Das ist bei weitem nicht der wichtigste Grund, warum die grünen Smoothies in der Kritik stehen. Deutlich wichtiger: alle Arten von Grünpflanzen enthalten sekundäre Pflanzenstoffe, die zu den Alkaloiden zählen. In geringen Mengen können diese Alkaloide sogar positiv Funktionen im Körper erfüllen. Voraussetzung ist aber, dass man kleine Mengen von verschiedenen Alkaloiden zu sich nimmt. Auch deswegen sollte man das verwendete Grün häufig wechseln - und sich nicht auf eine Art allein versteifen. Es gibt sehr viele Möglichkeiten: Feldsalat, Mangold, Löwenzahn, verschiedene Kohlsorten, Gänsefuß, Spinat, Endivien usw.

Werden diese im schwungvollen Wechsel verwendet, können die einzelnen Alkaloide kaum gefährliche Grenzwerte erreichen und somit die Leber belasten. Das nämlich tun große Mengen einzelner Alkaloide.

Weitere Probleme mit grünen Smoothies: Goitrogene und Fruchtzucker (Fructose)

Goitrogene sind Substanzen, die sich auf die Bildung der Schilddrüsenhormone auswirken und diese ab einer bestimmten Menge unterdrücken. Besonders Kohl und Brokkoli sind reich an diesen Goitrogenen. Nicht nur für Personen mit einer Schilddrüsenunterfunktion kann dies langfristig problematisch werden. An dieser Stelle werden grüne Smoothies tatsächlich zum Mengenproblem: „die Dosis macht das Gift“.

Vor allem dieser Punkt macht den grünen Smoothie als langfristiges Dauernahrungsmittel bzw. Hauptnahrungsmittel fragwürdig. Ein weiteres Problem ist, dass das halbflüssige Gebräu ja Kalorien und Energie liefert und durch seine Konsistenz das Sättigungsgefühl später eintritt. Auf der gleichen Ebene liegt auch das Problem mit der Fructose. In den letzten ca. fünf Jahren weisen viele verschiedene Veröffentlichungen auf die Gesundheitsgefahren hin, die von einem zu großen Fruchtzucker-Konsum ausgehen. In ganzen Früchten ist Fruchtzucker weniger problematisch als beispielsweise in Säften, da er hier nicht konzentriert und isoliert auftritt und außerdem von Enzymen, Vitaminen und Spurenelementen „begleitet“ wird. Da sind grüne Smoothies leider Säften ähnlicher als der ganzen Frucht:

Dadurch, dass sie so leicht zu konsumieren sind, nimmt man mehr Fruchtzucker zu sich als gesund wäre. Außerdem kommt noch hinzu, dass die meisten Menschen beim Einspeicheln und Kauen etwas nachlässig werden - der Verdauungstrakt wird so nicht optimal auf die Nährstoffe vorbereitet.

Wann sind grüne Smoothies sinnvoll?

Zunächst einmal müssen sie vernünftig zubereitet werden: der Grünblattanteil muss ständig wechseln, die Früchte sollten in jedem Fall aus biologischem Anbau stammen und nicht zu viel Fruchtzucker enthalten. Eine Fruchtzuckertabelle finden Sie auf dieser Seite. Dann sollte man in ihr nicht eine „zusätzliche, gesunde Mahlzeit“ sehen - sondern vielmehr ab und an einen Ersatz für eine reguläre Mahlzeit - beispielsweise für das Frühstück und das Mittagessen.

Grüne Smoothies sind bei vielen Menschen eine sinnvolle Sache, die über einen kurzen Zeitraum entgiften bzw. entschlacken wollen. Wenn man sich an die genannten Regeln hält, das Kauen nicht vergisst und keinesfalls zu viele Kalorien zu sich nimmt, kann man ein bis zweimal jährlich eine Art Fastenkur über 7-10 Tage mit den grünen Smoothies vornehmen (vorher einen Therapeuten oder Ernährungsberater zurate ziehen!).

Kann man grüne Smoothies langfristig trinken bzw. Essen?

Einige Menschen sehen ihr Seelenheil in einer reinen Rohkostdiät. Es ist die Frage, wie lange man sich damit wirklich gut fühlt. Selbst für Rohkost würde ich nicht empfehlen, bei der Ernährung dauerhaft auf grüne Smoothies zu bauen. Für die restliche große Mehrheit der Menschheit gilt das bereits gesagte: als gelegentlicher Ersatz für eine Mahlzeit - ja! Als zusätzliche Mahlzeit oder gar Dauerernährung – NEIN!

Ulmicher
Mein Fazit

Es gibt keine Allheilmittel. Auch der grüne Smoothie ist kein solches Allheilmittel. Für Menschen, die sich bisher nicht mit gesunder Ernährung auseinandergesetzt haben, sind Sie zum Einstieg und im rechten Maß sinnvoll - auch, um den Geschmack natürlicher Nahrungsmittel wieder zu entdecken. Auch bei bestimmten Erkrankungen oder in einem höheren Alter mit Mangel an Magensäure ist der Genuss von grünen Smoothies im rechten Maß sinnvoll. In jedem Fall sollte man aber auf Vielseitigkeit bei den verwendeten Grünpflanzen und einen geringen Fruchtzuckergehalt der verwendeten Obstsorten achten!

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