Sind Jodtabletten wiklich sinnvoll und gesund?

Jodtabletten

Ein gesunder Lebenswandel nützt Ihnen im Falle von „höherer Gewalt“ gar nichts. Und diese höhere Gewalt erscheint uns jetzt in Form der Havarie des Kernkraftwerks von Fukushima. Auch wenn der Super-GAU verhindert werden kann (zum Zeitpunkt meines Schreibens immer noch in der Schwebe), die Auswirkungen auf die Umwelt im westpazifischen Raum, also Japan und Umgebung, sind jetzt schon enorm. Aber wie sieht das bei uns aus?

Aus aktuellem Anlass: Haben wir mit erhöhter Radioaktivität zu rechnen? Sollten wir vorsorglich Jodtabletten einnehmen? Wie können wir uns schützen? Oder anders gefragt, ist es überhaupt notwendig, sich zu schützen?

 

Sollten wir vorsorglich Jodtabletten einnehmen?

Die Meldungen überschlagen sich: Jeden Tag hört man etwas anderes, und nichts Genaues weiß man nicht – Sie wissen sicherlich, worum es geht: Japan. Die Auswirkungen von Erdbeben und Tsunami (das Wort stammt übrigens aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie: „Hafenwelle“, vermutlich weil sie mit ihrer Gewalt einen Hafen zerstören kann) sind weiß Gott schlimm genug, und das Elend der Betroffenen sicherlich unbeschreiblich.

In der Nachrichtenwelt tritt dieses Geschehen allerdings zunehmend in den Hintergrund vor einer Bedrohung, welche die gesamte Welt in Atem hält, dem GAU (Größten anzunehmenden Unfall) im Atomkraftwerk Fukushima. Vielleicht stellen auch Sie sich die Fragen, wieviel Radioaktivität uns belasten wird, ob wir Jodtabletten einnehmen müssen und welche Nahrungsmittel wir vermeiden müssen. Und wie wir uns schützen können. Aber der Reihe nach...

Wieviel werden wir von der Radioaktivität bei uns merken?

Es gibt zwei mögliche Szenarien: Erstens, die radioaktive Wolke steigt nicht in die höheren Atmosphärenschichten auf. Der Fall-Out geht in der näheren Umgebung nieder. Wird schlimm für die Japaner, falls die Wetterbedingungen den Wind ins Landesinnere tragen (das ist bei bestimmten Tiefdruckwetterlagen im Westpazifik der Fall), wird nicht so schlimm, falls Westwinde die Radioaktivität auf das Meer treiben.

Wird allerdings immer noch insofern schlimm, da sich dann z.B. radioaktives Jod (und anderes Material) in Seefisch anreichern kann, die für die Japaner eine der hauptsächlichsten Nahrungsquellen darstellen. Wir hier in Deutschland, oder allgemein in Europa, würden jedoch in beiden Fällen nichts davon bemerken.

Das zweite Szenario ist, dass die radioaktive Wolke in hohen Atmosphärenschichten mit den so genannten „Jet-Streams“ über die gemäßigte Zone der Nordhemisphäre verteilt werde. Hier rechnen Wissenschaftler mit einer leichten Erhöhung der Hintergrundstrahlung. Hintergrundstrahlung heißt natürliche Radioaktivität.

Das wäre dann allerdings für Europa im unbedenklichen Bereich, man rechnet mit einer Anhebung um den Faktor 1,05 bis rund 1,2. Direkte gesundheitliche Auswirkungen hat das auf Europa und seine Bevölkerung nicht. Anders sähe es freilich aus, wenn alle Atomkraftwerke Japans durch das Unglück in einen GAU kämen – das wäre wirklich ein gewaltiges Problem, für die gesamte Menschheit.

Wie ist das mit dem Jod?

Unsere Schilddrüse, ein Organ, das viele Faktoren des menschlichen Stoffwechsels steuert, braucht für die optimale Funktion Jod. Nun gibt es Jod in verschiedenen, so genannten Isotopen. Das sind quasi „Versionen“ eines Elementes mit einem unterschiedlichen Atomgewicht. Es gibt stabiles Jod und Jod mit einer radioaktiven Zerfallsreaktion.

Bei Unglücken wie in Fukushima wird radioaktives Jod in gesundheitlich bedenklichen Mengen freigesetzt. Denn Jod reichert sich unabhängig davon, welches Isotop vorliegt, immer in der Schilddrüse an. Und radioaktives Jod kann die Schilddrüse verstrahlen, was mittel- bis langfristig Schilddrüsenkrebs oder anderen Krankheiten der Schilddrüse, wie die qualvolle Hashimoto-Thyreoiditis, hervorrufen kann.

Warum dann Jod-Tabletten?

Die Schilddrüse kann Jod in sich anreichern und kann mit Jod gesättigt sein. Ist dies der Fall, kann sie kein Jod mehr aufnehmen. Wenn man also Jod-Tabletten vor einer Belastung mit radioaktivem Jod einnimmt, kann der Körper das weitere Jod nicht aufnehmen und scheidet es umgehend aus.

Allerdings sollte man Jod-Tabletten keineswegs vorbeugend einnehmen. In verschiedenen Medien wurden wiederholt „Hamsterkäufe“ von Jodtabletten in Deutschland angedeutet. Es besteht jedoch im Moment keine Grund, Jodtabletten einzunehmen.

Dies kann sogar zu Schäden führen, denn zu viel Jod kann eine Thyreotoxikose auslösen, eine Überbelastung der Schilddrüse, die mit Schlaflosigkeit, Unruhe, Krämpfen, Zittern, Durchfall und weiteren Symptomen einhergehen kann. Bitte daher noch einmal mein Rat: KEINE JODTABLETTEN EINNEHMEN! Es ist absolut unnötig.

Jod-Tabletten helfen wirklich nur gegen Belastungen mit Jod

Gegen die anderen radioaktiven Stoffe, die bei einem Reaktorunglück freigesetzt werden, helfen Jod-Tabletten nicht: Cäsium, Strontium, Uran und seine Spaltprodukte. Aber auch diese sind von ihrer direkten Gefährlichkeit in Mitteleuropa kein Thema, was das derzeitige Unglück in Japan angeht.

Anders könnte es bei indirekten Gefahren aussehen

Nahrungsmittel aus der Region „Westpazifik“, dazu gehören weitestgehend Japan, Ostchina, Ostsibirien, Kamtschaka, Sachalin, Korea eventuell die Philippinen und die Meeresregion unmittelbar östlich dieser Länder, könnten möglicherweise radioaktiv stark belastet werden.

Das gilt vor allem für Seefisch. Hierauf sollte man in Zukunft achten. Genaueres kann man natürlich im Moment nicht sagen, es hängt auch davon ab, welche Gegend am stärksten belastet wird. Auch Reisen in diese Gegend sollten Sie im Moment eher vermeiden.

Andreas_Ulmicher
Mein Fazit

Wenn die Schilddrüse mit Jod gesättigt ist, hilft das wirklich nur gegen eine Belastung mit radioaktivem Jod. Dieses wird nämlich von der Schilddrüse genauso aufgenommen wie stabiles Jod. Und das ist auch nur dann der Fall, wenn wirklich eine starke radioaktive Belastung vorliegt. Das Reaktorunglück von Fukushima erhöht die Strahlenbelastung der „natürlichen Strahlung“ in der Gegend von Europa um den Faktor 1,05 bis 1,2. Das ist nicht ausreichend, um eine Einnahme von Jodtabletten zu rechtfertigen.

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