Kachexie – wenn körperliche Schwäche lebensbedrohlich wird

Kachexie

Obwohl wir überwiegend naturheilkundlich orientiert sind, müssen wir bei Top-Gesundheitstipps auch die Eisen anfassen, die zu einem großen Teil außerhalb unserer Kompetenz liegen und zudem sehr unangenehm sind. Dazu zählen auch die verschiedenen Formen der Kachexie, einer Entkräftung, die durch schwere Krankheiten bedingt sind.

Ich wurde selbst vor vielen Jahren, bei meinem ersten Morbus Crohn-Schub, von den Ärzten als „kachektisch“ bezeichnet (=vollkommen ausgezehrt). Das ist kein Wunder bei einer Körpergröße von damals 1,87 m und einem Gewicht von „noch“ 48 kg. Es sah tatsächlich eine Zeitlang so aus, als würde ich das nicht überleben. Es sind daher auch nicht nur Krebserkrankungen, die v. a. im Endstadium zu einem solchen Zustand der lebensbedrohlichen Schwäche und Auszehrung führen.

Kachexie – was ist das genau? Wen kann es betreffen?

Kachexie ist eine lebensbedrohliche Folge einer meist schweren, chronischen Krankheit. In unserer Gesellschaft seltener ist die Kachexie eine Folge einer dramatischen Infektionskrankheit. Früher und auch heute noch in Ländern der sog. „dritten Welt“ stellt(e) sie sich als Folge von Erkrankungen wie Typhus, Cholera, TBC, Malaria, Gelbfieber, Dengue-Fieber und weiteren „tropischen“ Infektionskrankheiten ein.

Das wichtigste, medizinisch festgelegte Kriterium einer Kachexie ist ein „Body Mass Index“ von unter 18 (18,5 laut einigen Quellen). Dies wird auch als schweres Untergewicht definiert. Wenn Sie beispielsweise als Mann 1,90m groß sind, sind Sie ab einem Gewicht von 72 kg untergewichtig, ab 66 kg oder weniger „kachektisch“. Bei einer Größe von 1,78m sind Sie ab 63 kg untergewichtig, ab 57 kg kachektisch. Für eine Frau von 1,68m wären die entsprechenden Daten 54 kg bzw. 50 kg. Die Rede ist, versteht es sich, von erwachsenen Personen. Grundsätzlich muss man für junge Menschen die Schwellenwerte ein wenig nach unten korrigieren.

Wichtiges Kennzeichen ist eine zunehmende Einschränkung der Vitalfunktionen. Das Immunsystem liegt meist ebenso darnieder. Kachektische Patienten sind häufig pflegebedürftig, bis hin zur Intensivversorgung.

Folgende chronische Krankheitszustände führen im Verlauf oft zu einer Kachexie:

  • Krebserkrankungen, v.a. im Endstadium
  • Schwere Verläufe chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (v.a. Morbus Crohn)
  • Erworbene Immunschwäche (AIDS) im Endstadium
  • Schwere, „toxische“ Schilddrüsenüberfunktion
  • Mangelzustände, u.a. auch durch Anorexie (Magersucht) und Bulimie
  • Altersbedingte Kachexie, wenn eine Selbstversorgung nicht mehr möglich ist und die Pflegebedürftigkeit nicht rechtzeitig erkannt wird
  • Chronische Lungenerkrankungen (COPD)
  • Starke Herzinsuffizienz
  • Bestimmte Formen von entzündlichem Rheuma (eher selten)
  • Besonders schwere Verlaufsformen von chronischem Erschöpfungssyndrom (Myalgische Enzephalomyelitis – wird selten erkannt!)
  • Diabetes Typ 1 (Autoimmun- oder Jugenddiabetes)
  • Schwere, chronische Bauchspeicheldrüsenschwäche oder –entzündung

Wie Sie anhand dieser Liste sehen, tritt die schwere Entkräftung mit Abmagerung und (häufig) Blutarmut auch in unserer „zivilisierten, überernährten“ westlichen Welt als Folge der genannten Krankheiten durchaus häufig auf und ist keine „Randerscheinung“.

Kachexie: was sind medizinische Maßnahmen?

Ich möchte bei diesem Kapitel die so genannten palliativen Maßnahmen ( = Schmerzen und Beschwerden lindern) bei sterbenden Patienten außen vor lassen und mich auf die Maßnahmen konzentrieren, die bei Betroffenen mit guter Überlebenschance angewandt werden.

  • „Enterale Ernährung“: es wird eine Flüssignahrung gegeben, die bereits vollständig aufgeschlossen ist und sofort dem Körper Nährstoffe zur Verfügung stellt, ohne dass eine Verdauungsarbeit erforderlich ist. Man unterscheidet Trinknahrung und Sondennahrung (Nasensonde)
  • „Parenterale Ernährung“: diese erfolgt über Infusion, sichert eine ausreichende Versorgung mit Glukose und stabilisiert das Elektrolytgleichgewicht, also das Verhältnis der verschiedenen Mineralstoffe im Körper zueinander.
  • Mobilisationstherapie: sofern der Patient bewegungsfähig ist, wird mit Mobilisation so gut wie möglich an der Erhaltung der Mobilität gearbeitet, z.B. mit Krankengymnastik
  • Die ursächliche Erkrankung wird behandelt, z.B. mit Hemmung einer Entzündung

Kachexie: was bieten Naturheilkunde bzw. Nahrungsergänzungen?

Es hängt vom Grad der Schwächung und des Gewichtsverlustes ab, inwieweit die Naturheilkunde begleitend oder sogar hauptsächlich behandeln kann bzw. darf. Auch spielt der Verdauungskanal eine wichtige Rolle. Ich werde immer wieder von Morbus-Crohn-Patienten gefragt, ob sie Eiweißpulver nehmen können zur Gewichtszunahme. Dies ist aufgrund der Zusatzstoffe nur sehr bedingt möglich. Präparate aus Milcheiweiß werden häufig nicht gut vertragen, Süßstoffe erst recht nicht. Bestimmte Aminosäuren, allen voran Kreatin und Glutamin, können jedoch fast immer gut genommen werden.

Vitaminmischungen aus B-Vitaminen, oral oder (besser) als Injektion (Spritze) oder Infusion sorgen für Blutbildung und optimieren den Kohlenhydratstoffwechsel.

Beim Essen ist es immer wichtig darauf zu achten, was der Magen-Darm-Kanal zulässt: wenn hier keine Einschränkungen bestehen, können Basilikum und Gewürze aus Doldenblütlern wie Kümmel, Fenchel, Anis, aber auch Ingwer, Galgant und Kurkuma zur Appetitanregung genommen werden.

Ich habe selbst sehr gute Erfahrungen mit Galgant, einem Ingwergewächs, bei Patienten gemacht. Es beruhigt den Magen und den Darm, steigert den Appetit und wirkt mild entzündungshemmend. Frischer Basilikum regt ebenfalls den Appetit an. Einige Blätter lange zu kauen hilft! Nota bene: bei entsprechenden Störungen im Verdauungstrakt sollte man den Basilikum allerdings nicht herunter schlucken!

Kachexie: Antioxidantien im Falle einer schweren Unterernährung

Die Verhältnisse von Äthiopien sind sicherlich nicht auf die westlich-zivilisierten Nationen zu übertragen. Dennoch wurden Äthiopien im Rahmen einer Untersuchung zur Behebung schwerer ernährungsbedingter Mangelerscheinungen – „Kwashiorkor“ – Studien mit der Verabreichung von verschiedenen Vitaminen durchgeführt: die extrem unterernährten Kinder mit allen Symptomen eines Kwashiorkor profitierten deutlich in allen Aspekten von einer solchen Therapie.

Ein Multivitaminpräparat schützt im Falle einer Abmagerung durch die Unfähigkeit, Nährstoffe aufzunehmen. Die Darreichungsform sollte aber auch hier an den Zustand des Patienten angepasst werden.

Kachexie: Antioxidantien im Falle einer schweren Unterernährung

Die Verhältnisse von Äthiopien sind sicherlich nicht auf die westlich-zivilisierten Nationen zu übertragen. Dennoch wurden Äthiopien im Rahmen einer Untersuchung zur Behebung schwerer ernährungsbedingter Mangelerscheinungen – „Kwashiorkor“ – Studien mit der Verabreichung von verschiedenen Vitaminen durchgeführt: die extrem unterernährten Kinder mit allen Symptomen eines Kwashiorkor profitierten deutlich in allen Aspekten von einer solchen Therapie.

Ein Multivitaminpräparat schützt im Falle einer Abmagerung durch die Unfähigkeit, Nährstoffe aufzunehmen. Die Darreichungsform sollte aber auch hier an den Zustand des Patienten angepasst werden.

Mein Fazit

Kachexie – starkes Untergewicht mit enormer Entkräftung – ist nicht nur ein Thema des Lebensendes und von Krebserkrankungen im Endstadium. Viele Erkrankungen können trotz an sich kalorienreicher Ernährung eine totale Abmagerung begünstigen. Wie auch immer die Therapie aussieht: so der Appetit und die Funktion des Verdauungstrakt es zulässt, ist der Appetit anzuregen und die Nährstoffversorgung über die Nahrung zu optimieren. Ist dies nicht mehr möglich, sollte man entsprechende medizinische Verabreichungsformen von Nährstoffen und Vitaminen – Infusionen und „enterale Diät“ – einleiten!

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