Verlängert Weingenuss das Leben?

Kälteanwendungen, Kryotherapie, Kältekammern

Kennen Sie diese Schlagzeilen: „der älteste Mensch Frankreichs starb mit 113 Jahren. Sein Gesundheitsgeheimnis: er trank jeden Tag eine Flasche Rotwein!“

Diese und ähnliche überraschende Schlagzeilen stammen häufig aus der Boulevardpresse, und sie kommen durchaus ab und an vor, natürlich nicht nur in Frankreich. Auch Italien, Spanien, aber auch Japan sind solche Kandidaten für sehr alte Menschen, die mit über 100 Lenzen noch körperlich aktiv sind und „ihr Leben genießen“, wie es so schön heißt. Und überraschend viele von ihnen frön(t)en dem regelmäßigen Weingenuss.

Weingenuss – besonders der Rotwein gilt als gesundheitsfördernd

Besonders Rotwein gilt als gesund. Aber man sollte sich nicht von Schlagzeilen von über Hundertjährigen blenden lassen. Viele, verschiedene Parameter bestimmen die Gesundheit und die Lebensdauer. Gerade bei den „alten“ Menschen, die mit 100, 110 oder noch mehr Jahren noch leben, kommen viele Variablen hinzu. Und ob Rotwein nun tatsächlich gesund ist, darüber wird in gesundheits- und ernährungsbewussten Kreisen trefflich gestritten.

Die Tatsache, dass der Rotwein trotz des Gehalts an Alkohol überhaupt als gesund gilt, hat er seinen sekundären Pflanzenstoffen zu verdanken: besonders den Stoff Resveratrol hat man in diversen Studien viel Aufmerksamkeit geschenkt. Er gilt als lebensverlängernd und krebshemmend.

Ausgerechnet eine chinesische Studie aus dem Jahr 2014 relativiert diese positiven gesundheitlichen Effekte etwas. Die Autoren zitieren: „ein zurückhaltender, aber regelmäßiger Konsum von Rotwein verlängert das Leben und verringert Probleme des Herz-Kreislauf-Systems. Dies wird zurückgeführt auf den Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen und Polyphenolen.“ Allerdings führen die Autoren weiter aus: „besonders Gerbstoffe, Kaffeesäure und Gallsäure üben eine Zellschutzpotenzial aus. Demgegenüber im Vergleich war der Effekt von Resveratrol allerdings vernachlässigbar.“

Klartext: die gesundheitliche Wirkung von Rotwein - wenn in moderaten Mengen konsumiert - erklärt sich aus der Kombination der Wirkstoffe viel wahrscheinlicher als aus besonders „prominenten“ Einzelstoffen wie Resveratrol. Dennoch wird Resveratrol als Nahrungsergänzung zur Krebsvorsorge und für ein längeres Leben eingesetzt.

Eine spanische Studie aus 2015 konzentriert sich auf den potentiellen gesundheitlichen Nutzen eines moderaten Konsums von Rotwein und anderen Weinen und setzt diesen in Relation zu den gesundheitlichen Wirkungen einzelner sekundären Pflanzenstoffe, die er enthält.

Sinngemäß führt die Studie aus: „der gesundheitliche Effekt eines moderaten Weinkonsums kann schwer auf einzelne Komponenten zurückgeführt werden. Zwar gibt es Studien mit Resveratrol, Quercetin, anderen Inhaltsstoffen und nicht zuletzt dem Alkohol selbst. Jedoch resultiert die Erkenntnis, dass moderater Weingenuss der Gesundheit nutzen kann und das Leben verlängern kann, nicht in entsprechende klinische Erkenntnisse der Einzelkomponenten des Weins.“

Weingenuss: was kann das im Wein enthaltene „Resveratrol“ tatsächlich?

Resveratrol hat unter den Nahrungsergänzung einen fast legendären Status, auch bei Heilpraktikern und sogar bei Ärzten der Naturheilkunde. Der Fokus liegt dabei auf der Verringerung des Krebsrisikos, aber Resveratrol hat auch andere Wirkungen.

  • Es verringert den Blutdruck
  • Es führt zu besseren Blutfettwerten (Cholesterin)
  • Es vergrößert die Empfindlichkeit der Zellen für das Hormon Insulin
  • Es verringert Schmerzzustände an Gelenken
  • Es schützt das Gehirn
  • Bei manchen Tieren führt Resveratrol zur Verlängerung der Lebensspanne

Diese Erkenntnisse wurden in mehr oder weniger kleinen Studien gewonnen. Dabei gibt es allerdings sekundäre Pflanzenstoffe mit einem wesentlich höheren antioxidativen Potenzial. Der Studienlage nach besitzt Resveratrol „gewisse positive Effekte bei Prostatakrebs und Darmkrebs“, sowohl in der Verhütung als auch in der Behandlung. Eine „taufrische“ Studie von 2018 bescheinigt dem sekundären Pflanzenstoff darüber hinaus eine gewisse Schutzfunktion für die Zellen der Nieren, wenn Chemotherapie (Cisplatin) angewandt wird.

Weingenuss: kann man gesundheitliche Vorzüge wirklich an Inhaltsstoffen festmachen?

Vielleicht ist Ihnen bei Schlagzeilen wie den oben genannten aufgefallen, dass es ausschließlich französische, spanische, italienische Weinkonsumenten hier in Europa sind, die ein „biblisches“ Lebensalter erreichen. Von deutschen Weinkonsumenten ist hingegen kaum oder nicht die Rede. Jedenfalls kann ich mich an keine Schlagzeile in den Boulevardmedien erinnern, nach denen ein deutscher Weintrinker das unglaubliche Lebensalter von 110 Jahren erreicht hätte.

Kurz zusammengefasst: „uralt“ werden andere – aber nicht (oder kaum) die „Deutschen“.

Da stellt sich natürlich die Frage, ob man das erreichen eines biblischen Lebensalters wirklich an einer Flasche oder einem Schoppen Wein an sich festmachen kann oder ob noch etwas anderes eine Rolle spielt.

Ein Getränkehändler brachte mich vor einiger Zeit auf die Spur: er handelt mit Wein und natürlich auch mit anderen Spirituosen. Er sagte mir sinngemäß folgendes: „Schnaps und Spirituosen gelten allgemein als sehr gesundheitsschädlich. Wein hingegen gilt als gesundheitsfördernd. Man sollte mal ernsthaft vergleichen: ein guter Wein hat einen Alkoholgehalts zwischen 12 und 13 %. Gängige Spirituosen liegen ungefähr bei 38-40 %. Wein enthält also ein Drittel des Alkohols wie ein Schnaps. Wenn man das hochrechnet, würde eine Flasche Wein 250 ml Schnaps entsprechen. Wenn es dann heißt, dass viele Menschen mit „einer Flasche Wein pro Tag“ uralt geworden sind, kann man sich nur wundern. Das ist genauso, wie zu behaupten, dass sie mit einem Viertelliter Schnaps pro Tag uralt werden!“

Unglaublich, aber wahr: die Antwort nach der Frage, ob Wein gesund ist und ein hohes Lebensalter verleiht, liegt in der Überschrift: es ist das Wort Genuss. Die Genusskomponente, das gemütliche und hochwertige Essen mit Freunden und dazu einen oder zwei Schoppen Wein ist die eigentliche gesundheitsfördernde Komponente.

Ulmicher
Mein Fazit

Machen Sie sich nicht allzu viele Gedanken um die Inhaltsstoffe und ob Sie mit einem Glas Rotwein älter werden oder ihre Leberfunktion schädigen. Die Inhaltsstoffe sind wohl für sich gesehen gesund, tragen aber weniger zum gesundheitsfördernden Effekt bei als die Summe aller Teile: und so dieser Summe gehört auch der Genuss. Genuss bedeutet Entspannung. Entspannung jedoch ist eine der wichtigsten Komponenten für ein langes Leben überhaupt!

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