Aloe vera – die vielseitige Naturarznei

Aloe vera

Die Gattung Aloe weist ungefähr 450 Arten auf und stammt ursprünglich aus dem Ostafrikanisch-arabischen Raum. Mittlerweile hat sie sich in fast allen tropischen und subtropischen Gegenden etabliert. Auch im südlichen Mittelmeerraum kommt sie wild vor, nördlich des 40. Breitengrades immerhin noch da und dort kultiviert als Gartenpflanze. Die bekannteste und medizinisch genutzte Aloe vera, auch echte Aloe oder Aloe barbadensis genannt, findet sich heute in fast jeder natürlichen Hautcreme und ist mittlerweile sogar für die innerliche Anwendung etabliert.

Aloe vera – meine erste bewusste Erfahrung mit der Wirkung der Pflanze

Ich war so etwa 24 oder 25, als ich mit meiner damaligen Freundin auf einer Insel vor der Küste Siziliens Urlaub machte. Sie wurde von einer Stechmücke in die Hand gestochen und hatte eine starke, leuchtend rote Schwellung und massiven Juckreiz. In der Nähe sah ich eine blühende Aloe. Ich kappte die Spitze einer der Blätter und presste das Gel über der Einstichstelle aus. Es dauerte nicht einmal drei Minuten, da war der Juckreiz vergangen. Noch am gleichen Tag gingen Schwellung und Rötung zurück. Später dachte ich oft an den alten Paracelsus-Spruch: da, wo die Krankheit ist, wächst auch die Arznei dagegen.

Aloe vera – die arzneilich wirksamen Bestandteile

Die Aloe vera ist wie ihre Geschwister den so genannten Sukkulenten zuzurechnen. Die haben die Eigenschaft, dass sie in ihren verdickten Blättern Wasser speichern können, ähnlich wie Kakteen und Agaven. Die Blätter sind länglich und spitz. Manche Arten der Gattung Aloe bilden baumähnliche Verzweigungen aus, die Aloe vera tut dies nicht. Schneidet man ein Blatt am Grund auf, fließt der zähe, gelartige Saft heraus, der zunächst blassgelb schimmert und beim Aushärten braun wird.

Dieses Gel enthält die arzneilich wirksamen Bestandteile der Aloe: Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren, Enzyme und sekundäre Pflanzenstoffe. Die zwei bekanntesten sind Anthrachinon und Aloin. Beide haben eine verhältnismäßig stark abführende Wirkung.

Dabei muss man noch einmal unterscheiden beziehungsweise unterscheidet man in der Pharmazie zwischen dem dünnflüssigeren Gel aus der Blattmitte und dem zäheren „Aloe latex“ aus dem Blattrand. Die beiden unterscheiden sich etwas in Zusammensetzung und Wirkung.

Aloe vera: die äußerliche Anwendung

Äußerlich wird fast immer das Gel angewandt. Aloe vera ist eine bei Hautleiden in der Wirkung enorm breit aufgestellte Pflanze, die zahlreiche Symptome lindern oder regulieren kann.

  • Sonnenbrand und Verbrennungen ersten bis maximal zweiten Grades
  • Akne, Furunkel, Mitesser
  • Die chronische Hautkrankheit Acne rosacea
  • Lichen ruber planus (Hautflechte)
  • Windeldermatitis, eine Rötung und Entzündung aufgrund der Reizung der Haut mit Exkrementen
  • Strahlenschäden der Haut
  • Frostschäden und Erfrierungen
  • Wundliegen
  • Krätze
  • Zahnfleischschädigungen
  • Hämorrhoiden
  • Schuppen
  • Zur Wundheilung

Einige Studien legen nahe, dass es bei Psoriasis (Schuppenflechte) eine lindernde Wirkung hat, wobei es hier sicherlich zumindest bei der äußerlichen Anwendung um die symptomatische Behandlung geht.

Aloe vera Gel – wie wird es innerlich angewandt?

Aloe vera Gel wird hauptsächlich verdünnt als Saft oder in Nahrungsergänzungsmitteln angewandt. Inwieweit die Wirkung positiv bleibt, hängt stark von der Dosierung ab, was sich insbesondere auf akute und chronische Darmprobleme bezieht. Das Gel wird angewandt bei:

  • Zur Gewichtsregulation
  • Als Zusatzmedikation bei Hepatitis (v.a. im englischsprachigen Raum)
  • Bei Diabetes Typ 2
  • Bei entzündlichen Rheumaerkrankungen
  • Magengeschwüre
  • Begleitend bei Asthma (auch hier hauptsächlich im englischsprachigen Raum)
  • Bei Strahlenschäden
  • Bei generalisierten, systemischen Entzündungen
  • Morbus Crohn (!)

Aloe vera: wie unterscheidet sich das „Latex“ vom „Gel“ in der Anwendung?

Das zähere Latex oder Aloe vera Gummi wird hauptsächlich als Abführmittel angewandt, da es mehr Anthrachinon enthält als das Gel. Hier muss man dazu sagen, dass es vorsichtig dosiert werden sollte und nicht länger als 1-2 Wochen benutzt werden sollte. Eine langfristige Anwendung in hoher Dosierung kann zu lymphatischen Schwellungen, Durchfall durch Reizung der Schleimhaut und sogar Entzündungen führen!

Anwendung bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Aloe vera wird mittlerweile auch hierzulande öfter als Nahrungsergänzung bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eingesetzt. Die Anwendung ist jedoch ein zweischneidiges Schwert: auf der einen Seite wirkt es besänftigend auf das spezifische Immunsystem, das viel mit chronischen Darmentzündungen zu tun hat, auf der anderen Seite ist es abführend und kann selbst eine Reizung und unspezifische Entzündung hervorrufen.

Hier sind Verstand, Vernunft und vor allen Dingen Gefühl für die Dosierung gefragt. Ich kann eher schlechte Erfahrungen von einer Anwendung im akuten Schub, jedoch oft (nicht immer) Erfolge bei der Erhaltung einer „Remission“ (Zeit arm oder frei an Krankheitssymptomen) berichten.

Außerdem wird das Latex innerlich angewandt bei:

  • Neigung zu Blutdruckeinbrüchen und Ohnmacht
  • Akut bei Erkältungen
  • Menstruationsproblemen: unregelmäßige, zu späte oder zu geringe Blutungen mit starken Symptomen wie Krämpfen
  • Unspezifische Colitis (Dickdarmentzündung)
  • Glaukom (grüner Star)
  • Diabetes Typ 2
  • Multiple Sklerose
  • Isolierte und systemische Gelenkentzündungen (Arthritis)
  • Krampfadern (oft zusammen mit Weinraute)
  • Sehstörungen

Aloe vera: wann sollte die Arznei nicht innerlich angewandt werden?

Paradox, wie schon gesagt, ist die Anwendung bei akuter Darmentzündung – dann kann es die Symptome verstärken. Für Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine zuverlässigen Daten vor. Die meisten Nebenwirkungen beziehen sich auf den Magen-Darm-Kanal

  • Durchfall
  • Krämpfe
  • Wasserverlust
  • Elektrolytverlust, hauptsächlich Kalium

Gerade in den letzten beiden Punkten sollte die Anwendung bei folgenden Arzneimitteln extrem vorsichtig sein beziehungsweise Aloe nicht angewandt werden:

  • Digitalis und Herzglykoside (Wirkung kann verstärkt werden)
  • Diuretika (Entwässerungsmittel): Gefahr von Dehydrierung (Entwässerung)
  • Steroiden der Nebennierenrinde (v.a. Kortison – Kaliummangel wird verstärkt)
  • Süßholzwurzel (Kaliummangel wird verstärkt)

 

Mein Fazit

Aloe vera ist eine sehr vielseitige Heilpflanze, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Die Wirkstoffkombination kann die Behandlung vieler chronischer Entzündungsprozesse unterstützen. Außerdem helfen die Enzyme und sekundären Pflanzenstoffe auch bei degenerativen Erkrankungen wie Leberleiden und Diabetes. Ein zweischneidiges Schwert ist die Aloe-Pflanze allerdings bei chronischen Darmentzündungen. Auf der einen Seite helfen die Nährstoff-Enzym-Kombinationen gegen die systemische Entzündung, auf der anderen Seite führen bestimmte Wirkstoffe der Pflanze ab. Von einer Einnahme bei akuten Darmproblemen mit Durchfall oder einem akuten Schub bei einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung ist daher eher abzuraten.

 

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