Chlorophyll – die „Nummer 1“ für die menschliche Gesundheit?

Chlorophyll

Der grüne Pflanzenfarbstoff Chlorophyll hat in gesundheitsorientierten Kreisen eine eindrucksvolle Karriere hinter sich gebracht. Vor allen Dingen in der Rohkost-Szene kommt das Thema nie aus der Mode. Aber auch außerhalb der Rohkost wird Chlorophyll oft als der gesundmachende und –erhaltende Stoff propagiert. Doch ist der Hype um das Thema Chlorophyll grundsätzlich berechtigt?

Chlorophyll – der Gesundheitsbringer schlechthin?

Nicht zu Unrecht wird Chlorophyll als der Stoff des Lebens bezeichnet. Er ist der zentrale Faktor dafür, dass Kohlendioxid in Sauerstoff verwandelt wird. Ohne Chlorophyll wäre das Leben, wie wir es heute kennen, überhaupt nicht möglich. Zum ersten Mal wurde der Stoff in 1915 von einem deutschen Chemiker isoliert. Seit den dreißiger bis vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden experimentell viele verschiedene positive gesundheitliche Wirkungen des grünen Blattfarbstoffs an Menschen und Tieren festgestellt.

Heute gibt es eine unüberschaubare Vielfalt an Nahrungsergänzungsmitteln, die Chlorophyll liefern. Ob Weizen- oder Gerstengras, Spirulina oder andere Mikroalgen: die Grüne Kraft des Lebens ist in all diesen und noch vielen mehr enthalten.

Seit etwa Mitte der Neunzigerjahre propagiert die alternative Ernährungsexpertin Victoria Boutenko die heilende Kraft des Chlorophylls in ihren grünen Smoothies. Und so unterschiedlich die Meinungen verschiedener Gesundheitsmagazine zum Thema Ernährung auch ist - bei Chlorophyll sind sich (fast) alle einig.

Chlorophyll - was für Eigenschaften sagt und was es kann

So sind alle übereinstimmend der Meinung, dass Chlorophyll das menschliche Säure-Base-Gleichgewicht optimiert. Der grüne Pflanzenfarbstoff hat einige erstaunliche Eigenschaften:

  • Chlorophyll unterscheidet sich nur durch ein einziges Element vom menschlichen Blut: Statt eines Eisenatoms im Zentrum weist das Chlorophyll-Molekül ein Magnesiumatom auf.
  • In dieser Eigenschaft optimiert Chlorophyll die Funktionen des menschlichen Bluts. Es kann die Eisenzufuhr verbessern und Eisenmangel beheben.
  • Chlorophyll optimiert auch den Sauerstofftransport im Körper. Damit reguliert es den Säure-Base-Haushalt
  • mehrere Untersuchungen zeigen, dass Chlorophyll den Körper auf verschiedene Weise entgiftet. So bindet die chemische Struktur Schwermetalle wie Quecksilber, Arsen, Blei, Kadmium. Dies bewirkt das, was man in der Chemie als „Chelatierung“ bezeichnet. Dadurch werden die Schwermetalle gebunden und für den Körper ausscheidbar.
  • Aber nicht nur Schwermetalle, sondern auch andere Umweltgifte werden durch Chlorophyll gebunden und ausgeschieden. Dazu zählen zum Beispiel Pestizide und andere Pflanzenschutzmittel. Außerdem neutralisiert Chlorophyll freie Radikale.
  • Toxine von Schimmelpilzen, aber auch Krebs erregende Substanzen werden ebenfalls durch Chlorophyll gebunden.

Chlorophyll: stark gegen Diabetes und Demenz-Erkrankung

Man sollte meinen, dass die folgenden Studien 20 oder 30 Jahre alt sind. Tatsächlich stammen sie aus den Jahren 2015-2017: eine Studie besagt, dass die ausreichende Zufuhr von Chlorophyll aus grünem Blattgemüse den Blutzucker reguliert und Diabetes und dem metabolischen Syndrom vorbeugen kann. Eine weitere Studie aus der gleichen Zeit spricht Chlorophyll in Blattgrün eine wichtige Rolle bei der Prävention von Demenz im hohen Alter zu.

Chlorophyll: besonders gesund in Verbindung mit Schwefel-Verbindungen

Organischer Schwefel ist unerlässlich, wenn es um den Erhalt und die Stärkung der Entgiftungsfunktion des menschlichen Körpers geht. Besonders in Kombination mit Chlorophyll wird dieser Eigenschaft deutlich gestärkt. Besonders reich an der Kombination Schwefel-Chlorophyll sind Kohlblattgewächse, Brokkoli und Schnittlauch. Diese enthalten den Stoff Sulforaphan, der in den letzten zehn Jahren für seine krebshemmende Wirkung bekannt geworden ist.

Chlorophyll: Magnesiummangel beheben mit grünen Nahrungsmitteln

Magnesiummangel ist heute weiter verbreitet, als man denkt. Vor allen Dingen im letzten Lebensdrittel, bei vielen Stoffwechselerkrankungen von Diabetes bis Gicht, bei schlechter Ernährung sowie Alkoholmissbrauch liegt relativ schnell Magnesiummangel vor. Nahrungsmittel, die viel Chlorophyll enthalten, sind auch reich an Magnesium. Magnesium ist essenziell für alle Stoffwechselvorgänge im menschlichen Körper und beteiligt an der Arbeit von über 300 verschiedenen Enzymen.

Der Verzehr von Grünen Blattgemüse, Salat, Smoothies und Pflanzenpresssäften liefert hohe Mengen organischen Magnesiums. Gerade die grünen Säfte lassen sich auch dann sinnvoll einsetzen, wenn chronische Verdauungsbeschwerden die Aufnahme von Magnesium (und anderen Vitaminen und Mineralstoffen) erschweren!

Chlorophyll: ein wohl tuender Stoff kommt selten allein!

Pflanzliche, grüne Nahrungsmittel enthalten nicht nur Chlorophyll sondern kommen mit einer ganzen Reihe von Vitalstoffen. Gerade für Vegetarier und Veganer ist es wichtig, dass Pflanzengrün auch Calcium und zahlreiche Aminosäuren liefert. Chlorophyllhaltige Nahrungsmittel sind damit auch Eiweißquellen für Personen, die sich vegan ernähren wollen oder müssen.

Außerdem liefern Chlorophyll reiche Nahrungsmittel noch folgende Vitalstoffe:

  • Carotinoide
  • Vitamin K
  • Vitamin C
  • Folsäure
  • Vitamin B6
  • Kupfer
  • Kalium
  • zahlreiche Spurenelemente
  • sekundäre Pflanzenstoffe

Ja, in Spuren kommen sogar Omega-3-Fettsäuren in den grünen pflanzlichen Nahrungsmitteln vor!

Chlorophyll: ein wohl tuender Stoff kommt selten allein! (Kopie)

Hat Chlorophyll deswegen eine vollkommene, positive Gesundheits-Bilanz? Leider nicht ganz. Wenn man sich etwas Gutes tut, kann es relativ schnell auch des Guten zu viel werden. Hier einige der wichtigsten Punkte, die Sie beachten müssen, um sich mit dem „gesunden“ Chlorophyll nicht zu vergiften. Und die betreffen hauptsächlich nicht (nur) das Chlorophyll an sich, sondern die Nahrungsmittel, in denen es steckt!

  1. Die Dosis macht das Gift: das gilt auch für Chlorophyll. Wer es übertreibt, für den entwickelt sich Chlorophyll selbst zum freien Radikal. Das bedeutet: es kann Zellen schädigen!
  2. Das Problem mit der Dosierung gilt auch für die mitgelieferten sekundären Pflanzenstoffe. Auch wenn diesen Stoffen immer wieder zahlreiche positive Wirkungen auf die Gesundheit bescheinigt werden: es handelt sich dabei um Substanzen des pflanzlichen Immunsystems. In höher Dosierung können diese die Schleimhaut schädigen und Darmprobleme hervorrufen.
  3. Oxalsäure: ein Anti-Nährstoff, der zu Nierenproblemen führen kann. In höher Dosierung giftig! Er ist in vielen Grünpflanzen enthalten.
  4. Zu ungünstigen Reaktionen führen grüne Nahrungsmittel bei allen Personen, die Probleme mit der Verdauung haben. Damit sind nicht nur Reizdarm-Patienten und Personen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa gemeint. Nein, ausgerechnet chronisch verstopfte Personen können ein ganz anderes Problem mit dem Blattgrün bekommen: in einem trägen Darm wird das im Blatt grün enthaltene Nitrat nämlich in Nitrit umgewandelt und damit für den Körper giftig!
Mein Fazit

Sag ja zu Chlorophyll - aber nicht in unbegrenzter Menge! Der Vitalstoffen schlechthin hat viele nachgewiesene gesundheitsfördernde Eigenschaften und ist bis zu einer bestimmten Menge sinnvoller Bestandteil einer gesunden Ernährung. Problematisch ist wie immer die Überdosierung.

Leider sind nicht alle im Blattgrün enthaltenen Stoffe für jeden Menschen gesund. Ein Problem wird dabei häufig übersehen: ausgerechnet Personen mit träger Darmperistaltik, denen das Chlorophyll eigentlich helfen soll, werden mit Pflanzengrün geradezu vergiftet! Auch Personen, die zu Nierensteinen neigen sowie Patienten mit Morbus Crohn oder einer anderen chronischen Darmerkrankungen sollten aufpassen!

 

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