Höhenluft – wann ist sie gesund, wann wird sie zum Problem?

Höhenluft

Manche lieben den Urlaub am Meer, andere in den Bergen. Höhenluft hat etliche gesundheitliche Effekte. Die meisten von ihnen sind positiv, einige jedoch nicht. Vor allen Dingen ab einer bestimmten Höhe macht die Luft nur noch krank…

 

Höhenluft: ab wann bemerken wir einen Unterschied?

Wenn wir uns in einem Gebirge bergauf bewegen, ändert sich mit der Höhe vieles. Zunächst einmal wird es kälter – pro 100 Höhenmeter je nach Wetterlage zwischen 0,5°C und 1°C. Wer zum Beispiel im Frühjahr in den Südalpen unterwegs ist, kann dies sehr schön von Meran oder Bozen zum Reschenpass oder zum Brenner hinauf bemerken. Während unten die Obstbäume blühen, liegen oben noch Schneereste.

Darüber hinaus nimmt mit der Höhe die UV-Strahlung zu. In der frischen Höhenluft gerade zur warmen Jahreszeit holt man sich schnell mal einen Sonnenbrand.

Das Wichtigste, was man schnell bemerkt, ist: man muss schneller atmen, das Herz schlägt schneller – und die Ausdauer reduziert sich mit zunehmender Höhe. Durchschnittlich fitte Menschen bemerken diesen Effekt zuerst so etwa ab 1400 Höhenmetern. Durchtrainierte Ausdauersportler bemerken einen Unterschied so in etwa ab 2000, 2200 m Höhe.

Höhenluft – hat sie weniger Sauerstoff?

Wie oft hört man die folgende Floskel: „Höhenluft hat weniger Sauerstoff!“ Das ist so nicht ganz korrekt. Höhenluft hat eine geringere Dichte, umgangssprachlich: sie ist „dünner“. Sie hat aber nicht weniger Sauerstoff. Der Sauerstoffanteil ist in jeder Höhenlage gleich und beträgt überall in der Atmosphäre ca. 21% vom gesamten Luftvolumen. Der Luftdruck hingegen fällt mit der Höhe kontinuierlich ab. Pro Raummeter Luft sind weniger Luftmoleküle vorhanden. Wenn wir einen Atemzug nehmen, haben wir in der Höhenlage daher weniger Sauerstoff zur Verfügung als auf Meereshöhe.

Diese „dünne Luft“ löst im Körper ganz besondere gesundheitliche Effekte aus. Auch Begleiterscheinungen wie der Gehalt an Partikeln (beispielsweise Pollen, Fachausdruck: Aerosole) tut dies. Dazu gleich noch ein paar Worte.

Höhenluft: was sind die unmittelbar spürbaren Effekte großer Höhe?

Wer als ausgesprochener „Flachlandtiroler“ einen Urlaub in, sagen wir mal 2000-2500 m Höhe im Gebirge verbringt, wird schnell folgende Effekte bemerken:

  • Man atmet unwillkürlich tiefer
  • Die Herzfrequenz geht nach oben
  • Man fühlt sich ein wenig flau
  • Man bekommt schneller Durst
  • Die Schleimhäute trocknen schneller aus, was man besonders in in einer Nacht in größerer Höhe bemerkt
  • Man fühlt sich kurzfristig angeregt (auch durch die schnellere Herzfrequenz), ermüdet jedoch schneller
  • Allergiker fühlen sich „befreiter“
  • Bei sensiblen Menschen kommt es gelegentlich zu Nasenbluten
  • Der Appetit ändert sich, wird oft (nicht immer) stärker

Höhenluft: was ist die so genannte „Höhenkrankheit“?

Bei der genannten Höhe stellt sich bei sensiblen, untrainierten und Herz-Kreislauf- bzw. lungenbeeinträchtigten Personen oftmals schon die so genannte Höhenkrankheit ein. Sie beginn in aller Regel einige Stunden nach Erreichen der Höhe und wird vor allen Dingen dann zum Problem, wenn der Höhenwechsel abrupt erfolgt ist. Die Symptome sind:

  • Übelkeit
  • Herzrasen
  • Kopfschmerzen
  • Erschöpfung
  • Schwindel und eventuell Benommenheit
  • Schlafstörungen

Der Grund für diese Symptome ist etwas, was den komplizierten Begriff „Sauerstoffpartialdruck“ trägt. Durch den geringeren Luftdruck nimmt der Sauerstoffdruck im Körpergewebe ab, die roten Blutkörperchen transportieren weniger Sauerstoff. Dadurch kommt es zu einer Änderung der Biochemie im ganzen Körper. Schnelleres und tieferes Atmen können diese Probleme nur teilweise kompensieren, außerdem gesellt sich dann ein neues hinzu: der Flüssigkeitsverlust.

Höhenluft: man sollte deutlich über das Durstgefühl hinaus trinken!

In größerer Höhe verlieren wir nicht nur über die Atemluft, sondern auch über den Urin Flüssigkeit. Denn aufgrund des geringeren Sauerstoffgehalts ändert sich der Säure-Base-Wert. Man uriniert mehr und häufiger. Aus diesem Grund sollte man bei einem Aufenthalt in größerer Höhe deutlich mehr trinken und dieses weit über jegliches Durstgefühl hinaus. Dieser Effekt wird für sensible Naturen ebenfalls bereits ab 1200-1400 Höhenmetern spürbar.

Höhenluft: was ändert sich für Allergiker?

Ausgehend überwiegend von Mitteleuropa, sagen wir den Alpen, gibt es etwas Positives für Pollenallergiker ab etwa 1500-1600 Metern über dem Meerespiegel. Der Grund: in dieser Höhe blühen nur noch sehr wenige Laubbäume, die Nadelbäume überwiegen bei Weitem. Die Blüte setzt darüber hinaus etwa 6 Wochen später ein als im Tal, was für die Urlaubsplanung zur Umgehung kritischer Zeiten nützlich ist. Wer z.B. im Mai aufgrund bestimmter Pollen Probleme bekommt, kann in diese Höhe ausweichen, wo die entsprechenden Pflanzen, falls überhaupt vorhanden, erst Ende Juni oder später blühen.

Darüber hinaus enthält die dünnere Höhenluft insgesamt weniger so genannte „Aerosole“, oder auch „Kondensationskerne“. Dadurch werden auf der einen Seite die Atemwege weniger belastet, auf der anderen Seite gibt es einen Reiz durch geringere Feuchte und stärkere Schwankungen zwischen Tag und Nacht.

Höhenluft: wie passt der Körper sich an?

Einmal der Höhenluft ausgesetzt, beginnt der Organismus schnell mit der Bildung von mehr roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff im Körper transportieren. Die Sauerstoffversorgung passt sich an. Leistungssportler beispielsweise profitieren davon, vor dem Wettkampf in größerer Höhe zu trainieren. Durch die erhöhte Transportkapazität des Blutes für Sauerstoff erhöht sich die Ausdauer. Dieser Effekt ist unter Sportlern als „natürliches Blutdoping“ bekannt. In den letzten Jahrzehnten wurde durch Zentrifugieren des Bluts beziehungsweise durch das Spritzen des Hormons EPO im Blut eine größere Dichte von roten Blutkörperchen provoziert, was den natürlichen „Blutdoping“-Effekt künstlich nachahmt.

In 2016 gab es eine Studie, wonach die Effekte eines zweiwöchigen Aufenthalts im Hochgebirge monatelang Auswirkungen auf das Blut haben.

Der positive Effekt für die Ausdauer durch Höhenluft kann allerdings auch umschlagen: „des Guten zuviel“ ist, wenn durch die vermehrte Neubildung von roten Blutkörperchen das Blut zähflüssiger wird und Durchblutungsstörungen auftreten können. Dieser Effekt ist die Folge einer so genannten „Polyglobulie“, einem Übermaß an (roten) Blutkörperchen.

Höhenluft: hat sie langfristig positive gesundheitliche Effekte auf Menschen?

Was ist, wenn man große Teile seines Lebens in größerer Höhe verbringt? Was bewirkt dies Positives für die menschliche Gesundheit? Wenn wir uns mit Höhen zwischen 1500-2500 Metern beschäftigen, können sich folgende positive Effekte einstellen:

  • Das Risiko für Anämie wird reduziert (Blutarmut)
  • Man wird abgehärtet gegenüber Kältereizen
  • Geringeres Risiko für „ischämische“ Herz-Kreislauf-Krankheiten (Krankheiten durch eine Mangelversorgung bestimmter Körpergebiete mit Sauerstoff)
  • Geringeres Diabetes-Risiko
  • Das Risiko für manche Krebserkrankungen scheint vermindert zu sein
  • Die Lebenserwartung scheint durch die Neubildung von Blutgefäßen verbessert zu sein

Höhenluft: wann macht sie in jedem Fall krank?

Der Untrainierte hat in jedem Fall Probleme mit Höhen über 3000 m. Unter Extrem-Bergsteigern gelten 5500 Höhenmeter als der Eckpfeiler, ab dem für den Körper keinerlei Erholung mehr möglich ist. In dieser Höhe ist der Luftdruck ziemlich genau halb so groß wie auf Meereshöhe. Die höchste permanente Ansiedelung findet sich in den Anden auf knapp 5100 Höhenmetern. Es wurde in einer wissenschaftlichen Arbeit berichtet, dass eine Gruppe von Menschen 2 Jahre auf einer Höhe von 5900 Metern (ebenfalls in den Anden) überlebte.

Höhenluft: welche Effekte hat welche Höhe (Tabelle)?

Der Untrainierte hat in jedem Fall Probleme mit Höhen über 3000 m. Unter Extrem-Bergsteigern gelten 5500 Höhenmeter als der Eckpfeiler, ab dem für den Körper keinerlei Erholung mehr möglich ist. In dieser Höhe ist der Luftdruck ziemlich genau halb so groß wie auf Meereshöhe. Die höchste permanente Ansiedelung findet sich in den Anden auf knapp 5100 Höhenmetern. Es wurde in einer wissenschaftlichen Arbeit berichtet, dass eine Gruppe von Menschen 2 Jahre auf einer Höhe von 5900 Metern (ebenfalls in den Anden) überlebte.

Höhenluft: welche Effekte hat welche Höhe (Tabelle)?

Mein Fazit

Höhenluft im Hochgebirge hat positive gesundheitliche Effekte insbesondere für Höhen im Bereich 1400-2200 m. Bis 3000 Höhenmeter überwiegen kurzfristig positive Effekte, darüber hinaus wird es für „Otto Normalverbraucher“ problematisch. Menschen mit Anämie, sonstigen Schwächezuständen und Allergien profitieren von Aufenthalten in moderater Höhe um 1400-2200 m Meereshöhe. Robuste Naturen können auch längerfristig mit größeren Höhenlagen glücklich werden. Keinerlei positive gesundheitliche Effekte haben Höhen über 4200 m, und deutlich darüber wird es sogar lebensgefährlich!

 

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