Kohlensäure – gesund oder ungesund?

Kohlensäure

Kohlensäure war eigentlich als Konservierungsmittel gedacht.

Besonders in den Sommermonaten sind Erfrischungsgetränke erst dann wirklich erfrischend, wenn sie Kohlensäure enthalten. Selbst der gesundheitsbewusster Mensch erfreut sich dann und wann bei heißen Temperaturen an einem Glas Apfelsaftschorle. Ist dieses ausreichend gekühlt und enthält noch Kohlensäure, erfrischt es gleich doppelt.

Ursprünglich jedoch war der Zweck der Kohlensäure ein ganz anderer. Kohlensäure diente dazu, Wasser zu konservieren und das ausbreiten von Bakterien zu verhindern. In unserer bakterienarmen Zeit haben wir das wahrscheinlich vergessen. Aber heute wird Kohlensäure tatsächlich überwiegend mit Erfrischung in Zusammenhang gebracht.

Kohlensäure in Getränken: ein bisschen Chemie

Kohlensäure ist chemisch gesehen nichts anderes als Kohlendioxid. Es ist nicht wirklich eine Säure, sondern chemisch neutral. Wenn man Kohlensäure komprimiert in Wasser eindringt, ändert sich der pH-Wert nicht. Seit mittlerweile beinahe 20 Jahren kann man mit einem Heimgerät Kohlensäure in Wasser, Soda oder Limonade einbringen. Unter stark erhöhten Druck kommt die Kohlensäure in das Wasser und verleiht ihm den perlenden Charakter.

Bakterien werden durch die chemischen Eigenschaften der Kohlensäure gehemmt. Das Wasser bleibt länger frisch. Gerade in warmen Regionen und den oft problematischen Plastikflaschen ist dies ein echter Vorteil. Zumindest, wenn es darum geht, das Wasser längerfristig aufzubewahren. Zum Thema Wasser in Plastikflaschen ist die Meinung der gesundheitlich orientierten Gemeinde eh sehr geteilt. Aber darum geht es jetzt nicht.

Wasser mit Kohlensäure: wann schützt es Ihre Gesundheit?

Ich hatte vor vielen Jahren in einer sehr heißen Region im Urlaub einmal folgendes Erlebnis. Ich lief eine längere Strecke und es war extrem heiß. Ich ging an einer Bar vorbei und bestellte mir 1 l Wasser, weil andere Geschäfte zu dieser Zeit geschlossen hatten. Leider hatte die Bar nur stilles Wasser in einem Tetrapack. Auf dem Weg nahm ich den ersten Schluck und mir war klar, dass ich dieses Wasser besser nichts trinken sollte. Immerhin: auf den ca. 2 km bis zu meinem Hotel Ich mir das Wasser der Einfachheit halber immer mal wieder über den Kopf, womit es zumindest einen Zweck erfüllte: mich einigermaßen kühl zu halten.

Zum Trinken jedoch wäre Kohlensäurehaltiges Wasser aus einer Flasche von Vorteil gewesen. Das stille Wasser konnte nur in dem Sinne meine Gesundheit schützen, dass es mich vor einem Hitzschlag bewahrte.

Es gibt tatsächlich eine Eigenschaft über den Schutz von Bakterien hinaus, die Kohlensäurehaltiges Wasser gesund macht: bei immer wiederkehrende Blasenentzündungen empfehlen Wasserexperten, täglich 2-3 Gläser Kohlensäurehaltiges Wasser zu trinken. Die Vermehrung von Bakterien in Blase und eventuell Niere wird dadurch gehemmt.

Darüber hinaus gibt es eine weitere bedingt gesundheitsfördernder Eigenschaft von Kohlensäure im Wasser: es regt die Geschmacksknospen an. Während der warmen Jahreszeit kann dieser Effekt tatsächlich dazu führen, dass man mehr trinkt.

Kohlensäure: einige zweifelhafte Effekte

Allerdings sollte man dazu nicht besonders sensibel im Magen sein. Wer Probleme mit dem Magen-Darm-Kanal hat, der hat im wahrsten Sinne des Wortes den Kanal recht schnell voll - nämlich von Kohlensäure. Bei sensiblen Personen stimuliert Kohlensäure möglicherweise einen Übertritt von Magensäure in die Speiseröhre, was zu Sodbrennen führt. Der stechende, scharfe Schmerz kann dabei sogar Herzbeschwerden vortäuschen.

Kohlensäure im Getränk führt zu Aufstoßen und eventuell in tieferen Verdauungskanal zu Blähungen. In einigen Fällen habe ich bei Personen mit Reizdarm sogar beobachtet, dass sich der Stuhlgang verändert. Der gleiche Effekt kann bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen auftreten.

Kohlensäure: diese gesundheitliche Wirkung macht keine Freude!

Vor einigen Jahren förderte eine israelische Studie etwas erstaunliches zu Tage: Sie ließ Probanden wahlweise kohlensäurehaltiges Mineralwasser trinken oder Leitungswasser. Die erste Gruppe hatte einen erhöhten Spiegel von einem Hormon, das den Appetit stimuliert: Ghrelin. Bei entsprechenden Versuchen mit Ratten zeigte sich außerdem, dass die mineralwasser trinkenden Tiere eine erhöhte Neigung zur Bildung einer Fettleber hatten!

Obwohl die Studienlage diesbezüglich noch nicht ausreichend ist, raten einige Experten aufgrund dieser Tatsache übergewichtigen Personen vom Trinken von kohlensäurehaltigen Wasser ab.

Während sportlicher Aktivität wird empfohlen eher auf stilles Mineralwasser zurückzugreifen, da die Bewegung zusammen mit der Kohlensäure zu Blähungen und Bauchschmerzen führen kann.

Kohlensäure: wie sieht es mit den Säure-Base-Haushalt aus?

Vor allen Dingen gesundheitsbewusste Menschen stellen sich diese Frage: kann der Genuss von kohlensäurehaltigen Getränken den Säure-Base-Haushalt beeinträchtigen? So warnen beispielsweise einige Ärzte davor, häufig und in kurzen Abständen Wasser mit Kohlensäure zu trinken, um den Zahnschmelz nicht zu schädigen. Auch sehen einige Experten zum Thema Wasser in der Kohlensäure das Problem, dass die Sauerstoffversorgung der Zellen verringert werden soll.

Ich konnte meiner bisherigen Beobachtung nach diese Probleme nicht bestätigen, sehe aber durch meinen Umgang mit vielen Patienten mit Magen-Darm-Beschwerden ein anderes Problem: Sie schaffen nicht die erforderliche Trinkmenge, um die bei den verschiedenen Stoffwechselprozessen entstehenden Abfallstoffe aus dem Körper heraus transportieren zu können. Gesunde Menschen sollten täglich mindestens zwei, bei entsprechenden Gewicht auch zweieinhalb, drei oder mehr Liter Wasser pro Tag trinken. Plus zusätzlich die Verluste durch körperliche Aktivität (schwitzen). Ich persönlich tue mich da mit Wasser mit Kohlensäure wesentlich schwerer als mit stillem Wasser. Vielen Menschen, die einen sensiblen Verdauungstrakt haben, geht es da genauso.

Kohlensäure an sich ist wie gesagt chemisch neutral, kann aber in sehr großen Mengen die Zellatmung verändern. Gegenüber weiteren Ernährungsfehlern aber vor allen Dingen Schadstoffbelastung und Medikamenteneinnahme ist der Beitrag zu einer Veränderung des Säure-Base-Haushaltes jedoch eher klein.

Mein Fazit

Für mich persönlich gehört Kohlensäure in Wasser nicht unbedingt zu den Favoriten. Menschen reagieren unterschiedlich auf kohlensäurehaltige Getränke. Mit der Zunahme von Magen-Darm-Problemen schwören immer mehr Menschen auch stilles Mineralwasser und Getränke, denen keine Kohlensäure zugesetzt ist. In bestimmten Situationen hat die reinigende Wirkung von Kohlensäure im Wasser Vorteile. Allerdings dürften für die meisten Menschen Nachteile überwiegen. Neu ist die Hypothese, dass Kohlensäure, eigentlich Kohlendioxid in Getränken über das Hormon Ghrelin Übergewicht begünstigen kann.

 

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